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September2020

Der 100-jährige Kalender

In den Jahren 1652 bis 1658 beobachtete Mauritius Knauer tagtäglich das Wetter. Keine astronomische, klimatische oder atmosphärische Erscheinung entging ihm. Irgendwann erkannte der Abt, dass er sein Wissen vielen Menschen zugänglich machen musste.

Knauer nannte seine Schrift "Galendarjum Oeconomicum Practicum Perpetuum". Er glaubte, dass sieben Beobachtungsjahre für eine dauerhafte Wettervorhersage ausreichten, da sich nach seinen astrometeorologischen Ansichten die Witterungsabläufe entsprechend der "Planetenfolge"  Saturn (2000/01), Jupiter (2001/02), Mars (2002/03) , Sonne (2003/04) , Venus (2004/05), Merkur (2005/06), Mond (2006/07), wiederholten. Bei Mauritius Knauers Niederschrift beginnt ein Jahr am  21. März und endet am 20. März des folgenden Jahres. 

Natürlich ist das Wetter nicht so leicht vorher zu sagen!

Macht man sich die kleine aber unterhaltsame Mühe den tatsächlichen Wetterverlauf mit der "immergültigen" Vorhersage des 100-jährigen Kalenders zu vergleichen, wird  man schnell den recht geringen Wahrheitsgehalt der Schrift erkennen.  

Vorhersage nach 100-jährigem Kalender für das Jahr 2020  

Das Jahr insgesamt   ist ein mehr feuchtes als trockenes Jahr, auch mehr kalt als warm, obwohl der Sommer sehr warm sein kann - öfters aber ist es kühl bis kalt.

Der Frühling ist sehr feucht, aber daneben auch warm, doch mit unterlaufenem Frost. Der ganze März ist kalt, der April ist von Anfang bis Mitte mit vielem Regen begabt, davon sind etliche Tage auch rauh und kalt, doch danach wieder schön. Der Mai ist von Anfang bis Mitte sehr schön mit großer Hitze, doch auch etwas Regen, darauf kalter Regen mit Reif und Eis - und wiederum Regen. Der Juni wird sehr fein zu Zeiten aber mit Regen angefüllt.

Der Sommer Zu Zeiten sehr warm, doch spät und kurz.

Der Herbst ist kalt, anfänglich feucht und unbeständig. In der Mitte wird es bereits sehr kalt mit unter laufenem Schnee. Gegen Ende wintert es bereits zu.

Der Winter ist anfangs mittelmäßig kalt, dann feucht und regnerisch. Der Dezember bringt bald Schnee - darauf große Güsse. Weihnachten ziemlich kalt, dann trüb bis in den Januar.

Vorhersage nach 100-jährigem Kalender für den September 2020

1. bis 6. warm. - 7. bis 13. Nachtfrost. - 14. starker Regen. - 15. und 16. schön. 17. regnerisch. - 18. bis 21. schön. - 22. bis 30. trüb und regnerisch.

  Sprüche zum Monat September

Wie Sankt Aegidius (1.9.) das Wetter hält,

so soll es den ganzen Monat bleiben.

 

Donnert's im September noch,

wird der Schnee um Weihnacht hoch.

 

Zu Mariä Geburt (8.9.)

ziehen die Schwalben fort.

 

Ist Gorgon (9.) schön,

bleibt´s noch sechs Wochen schön.
 
Wenn´s an Portus (11.) nicht näßt,
ein dürrer Herbst sich sehen läßt.
 
An Maria Namen (12.)
Sagt der Sommer Amen.

 

Wenn im September viel Spinnen kriechen,

sie einen harten Winter riechen.

 

Tritt Matthies (21.9.) stürmisch ein,

wird’s bis Ostern Winter sein.

 

Regnet’s am Michaelistag (29.9.),

folgt ein strenger Winter nach.

 

Bleibt´s an St. Michael Trocken,

dann braucht´s im Winter dicke Socken.

 verworfene Tage September 21. bis  28.

     Was sind verworfene Tage?

Die verworfenen oder Schwendtage stammen aus der Römerzeit und gelten bis heute als äußerst ungünstig für alle Arten von Unternehmungen. An solchen Tagen sollte man weder auf Reisen gehen noch etwas Neues beginnen ( bis heute spricht man davon eine "Idee zu verwerfen"! ), völlig gleichgültig, ob es sich dabei um eine Arbeit auf dem Hof, im Haus oder auf dem Feld handelt. Es wurde sogar von Arztbesuchen, wenn nicht unbedingt erforderlich, abgeraten. Einen Aderlass beim Dorfbader an einem Schwendtag durchführen zu lassen, kam fast, auch wenn diese Unglückstage heidnischen Ursprungs sind, einer Gotteslästerung gleich.
Ihren unglückseligen Namen verdanken die verworfenen Tage einem traurigen Ereignis im bäuerlichen Viehstall:
Unter Verwerfen verstand man nämlich damals wie heute das vorzeitige Ausstoßen der nicht lebensfähigen Leibesfrucht bei Haustieren, sprich: eine Fehlgeburt bei Kuh, Schaf oder Schwein. Diese wurde meist ausgelöst durch Infektionen, Seuchen oder Vergiftungen und war oft Ausgangspunkt für große Verluste unter dem Viehbestand. Ein Umstand, der für den Bauern existenzbedrohend sein konnte. Kein Wunder also, dass selbst die alten Römer, die die verworfenen Tage "dies atri" nannten, hier lieber keinen Finger rührten.