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Mai 2002

Der 100-jährige Kalender

In den Jahren 1652 bis 1658 beobachtete Mauritius Knauer tagtäglich das Wetter. Keine astronomische, klimatische oder atmosphärische Erscheinung entging ihm. Irgendwann erkannte der Abt, dass er sein Wissen vielen Menschen zugänglich machen musste.

Knauer nannte seine Schrift "Galendarjum Oeconomicum Practicum Perpetuum". Er glaubte, dass sieben Beobachtungsjahre für eine dauerhafte Wettervorhersage ausreichten, da sich nach seinen astrometeorologischen Ansichten die Witterungsabläufe entsprechend der "Planetenfolge"  Saturn (2000/01), Jupiter (2001/02), Mars (2002/03) , Sonne (2003/04) , Venus (2004/05), Merkur (2005/06), Mond (2006/07), wiederholten. Bei Mauritius Knauers Niederschrift beginnt ein Jahr am  21. März und endet am 20. März des folgenden Jahres. 

Natürlich ist das Wetter nicht so leicht vorher zu sagen!

Macht man sich die kleine aber unterhaltsame Mühe den tatsächlichen Wetterverlauf mit der "immergültigen" Vorhersage des 100-jährigen Kalenders zu vergleichen, wird  man schnell den recht geringen Wahrheitsgehalt der Schrift erkennen.  

Vorhersage nach 100-jährigem Kalender für das Jahr 2022 

Das Jahr insgesamt  ist ein ziemlich warmes und mehr feuchtes als trockenes Jahr. Weil aber der Winter langwierig mit grimmiger Kälte im Frühjahr lange anhält, so gibt es ein spätes Frühjahr, Trotzdem ist es zu aller Fruchtbarkeit geneigt, doch kann es sein, dass manche Früchte drei Wochen später als sonst in anderen Jahren heranreifen.

Der Frühling ist bis in den Mai hinein kalt und feucht - nur in der Mitte auf 10 bis 12 Tage fein temperiert, dann aber wiederum bis zum Ende kalt und feucht.

Der Sommer, der anfänglich ebenfalls kalt und feucht ist, wird in der Mitte warm mit viel Gewittern, zum Ende bereits schon sehr heiß. Wenn es nun ein dürrer Sommer ist, so wird darauf das Getreide teuer.

Der Herbst ist durch und durch feucht, angefüllt mit stetigem Regen.

Der Winter ist anfangs einige Tage ganz kalt und hat schon viel Schnee. Danach aber ist er mit Winden angefüllt.

Vorhersage nach 100-jährigem Kalender für den Mai 2022

1. und 2. recht rau, windig und auch kalt. -  3. bis 14. jetzt kommt schönes warmes Wetter und nur wenig Regen. 15.       bis 22. wiederum Kälte, Regen mit Schnee vermischt. - 23. morgens ist alles zu Eis gefroren. - 24. bis 27. Wiederum schön geworden. - 28. und 29. wird es kalt aber vermischt mit etwas Regen. - 30. es hat gereift, bald danach kalter Regen. 31. wiederum Regen und vermischt mit Schnee.
 
Sprüche zum Monat Mai
Wenn´s Wetter gut am ersten Mai,
gibt es viel und gutes Heu.
 
Regnets am ersten Maientag,
viel Früchte man erwarten mag.
 
Wie´s Wetter am Kreuzauffindungstag (3.),
bis Himmelfahrt es bleiben mag.
 
Der Florian, der Florian (4.),
noch einen Schneemann setzen kann.
 
Johannisnacht (6.) gesteckte Zwiebel,
wird groß fast wie ein Butterkübel.
 
Pankraz und Servaz (13.) sind böse Brüder:
Was der Frühling gemacht,
zerstören sie wieder.
 
Bringt St. Petersnacht (19.) kein Frost,
kann man aufatmen getrost.
 
Viel Gewitter im Mai
schreit der Bauer "Juchei".
 
Maimond kalt und windig,
macht die Scheuer voll und pfündig"
 
Ist der Mai recht heiß und trocken,
kriegt der Bauer kleine Brocken.
Ist er aber feucht und kühl,
gibt es Frücht` und Futter viel.
 

verworfene Tage Mai: 3., 10., 22. und 25.

 
 
 Was sind verworfene Tage?

Die verworfenen oder Schwendtage stammen aus der Römerzeit und gelten bis heute als äußerst ungünstig für alle Arten von Unternehmungen. An solchen Tagen sollte man weder auf Reisen gehen noch etwas Neues beginnen ( bis heute spricht man davon eine "Idee zu verwerfen"! ), völlig gleichgültig, ob es sich dabei um eine Arbeit auf dem Hof, im Haus oder auf dem Feld handelt. Es wurde sogar von Arztbesuchen, wenn nicht unbedingt erforderlich, abgeraten. Einen Aderlass beim Dorfbader an einem Schwendtag durchführen zu lassen, kam fast, auch wenn diese Unglückstage heidnischen Ursprungs sind, einer Gotteslästerung gleich.
Ihren unglückseligen Namen verdanken die verworfenen Tage einem traurigen Ereignis im bäuerlichen Viehstall:
Unter Verwerfen verstand man nämlich damals wie heute das vorzeitige Ausstoßen der nicht lebensfähigen Leibesfrucht bei Haustieren, sprich: eine Fehlgeburt bei Kuh, Schaf oder Schwein. Diese wurde meist ausgelöst durch Infektionen, Seuchen oder Vergiftungen und war oft Ausgangspunkt für große Verluste unter dem Viehbestand. Ein Umstand, der für den Bauern existenzbedrohend sein konnte. Kein Wunder also, dass selbst die alten Römer, die die verworfenen Tage "dies atri" nannten, hier lieber keinen Finger rührten.