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September 2022

Der 100-jährige Kalender

In den Jahren 1652 bis 1658 beobachtete Mauritius Knauer tagtäglich das Wetter. Keine astronomische, klimatische oder atmosphärische Erscheinung entging ihm. Irgendwann erkannte der Abt, dass er sein Wissen vielen Menschen zugänglich machen musste.

Knauer nannte seine Schrift "Galendarjum Oeconomicum Practicum Perpetuum". Er glaubte, dass sieben Beobachtungsjahre für eine dauerhafte Wettervorhersage ausreichten, da sich nach seinen astrometeorologischen Ansichten die Witterungsabläufe entsprechend der "Planetenfolge"  Saturn (2000/01), Jupiter (2001/02), Mars (2002/03) , Sonne (2003/04) , Venus (2004/05), Merkur (2005/06), Mond (2006/07), wiederholten. Bei Mauritius Knauers Niederschrift beginnt ein Jahr am  21. März und endet am 20. März des folgenden Jahres. 

Natürlich ist das Wetter nicht so leicht vorher zu sagen!

Macht man sich die kleine aber unterhaltsame Mühe den tatsächlichen Wetterverlauf mit der "immergültigen" Vorhersage des 100-jährigen Kalenders zu vergleichen, wird  man schnell den recht geringen Wahrheitsgehalt der Schrift erkennen.  

Vorhersage nach 100-jährigem Kalender für das Jahr 2022 

Das Jahr insgesamt  ist ein ziemlich warmes und mehr feuchtes als trockenes Jahr. Weil aber der Winter langwierig mit grimmiger Kälte im Frühjahr lange anhält, so gibt es ein spätes Frühjahr, Trotzdem ist es zu aller Fruchtbarkeit geneigt, doch kann es sein, dass manche Früchte drei Wochen später als sonst in anderen Jahren heranreifen.

Der Frühling ist bis in den Mai hinein kalt und feucht - nur in der Mitte auf 10 bis 12 Tage fein temperiert, dann aber wiederum bis zum Ende kalt und feucht.

Der Sommer, der anfänglich ebenfalls kalt und feucht ist, wird in der Mitte warm mit viel Gewittern, zum Ende bereits schon sehr heiß. Wenn es nun ein dürrer Sommer ist, so wird darauf das Getreide teuer.

Der Herbst ist durch und durch feucht, angefüllt mit stetigem Regen.

Der Winter ist anfangs einige Tage ganz kalt und hat schon viel Schnee. Danach aber ist er mit Winden angefüllt.

Vorhersage nach 100-jährigem Kalender für den September 2022

1. bis 4. warmes Wetter. - 5. bis 8. hell, schönes Wetter, aber windig. - 9. etwas Regen. - 10. und 11. kühl und windig. - 12. bis 16. Regen. - 17. bis 26. schön und warm wie im Sommer. - 27. bis 30. Regentage.

 

Sprüche zum Monat September

Wie Sankt Aegidius (1.9.) das Wetter hält,
so soll es den ganzen Monat bleiben.
 
Donnert's im September noch,
wird der Schnee um Weihnacht hoch.
 
Zu Mariä Geburt (8.9.)
ziehen die Schwalben fort.
 
Ist Gorgon (9.) schön,
bleibt´s noch sechs Wochen schön.
 
Wenn´s an Portus (11.) nicht näßt,
ein dürrer Herbst sich sehen läßt.
 
An Maria Namen (12.)
Sagt der Sommer Amen.
 
Wenn im September viel Spinnen kriechen,
sie einen harten Winter riechen.
 
Tritt Matthies (21.9.) stürmisch ein,
wird’s bis Ostern Winter sein.
 
Regnet’s am Michaelistag (29.9.),
folgt ein strenger Winter nach.
 
Bleibt´s an St. Michael Trocken,
dann braucht´s im Winter dicke Socken.
 

verworfene Tage September 21. bis  28.

 
 
 Was sind verworfene Tage?

Die verworfenen oder Schwendtage stammen aus der Römerzeit und gelten bis heute als äußerst ungünstig für alle Arten von Unternehmungen. An solchen Tagen sollte man weder auf Reisen gehen noch etwas Neues beginnen ( bis heute spricht man davon eine "Idee zu verwerfen"! ), völlig gleichgültig, ob es sich dabei um eine Arbeit auf dem Hof, im Haus oder auf dem Feld handelt. Es wurde sogar von Arztbesuchen, wenn nicht unbedingt erforderlich, abgeraten. Einen Aderlass beim Dorfbader an einem Schwendtag durchführen zu lassen, kam fast, auch wenn diese Unglückstage heidnischen Ursprungs sind, einer Gotteslästerung gleich.
Ihren unglückseligen Namen verdanken die verworfenen Tage einem traurigen Ereignis im bäuerlichen Viehstall:
Unter Verwerfen verstand man nämlich damals wie heute das vorzeitige Ausstoßen der nicht lebensfähigen Leibesfrucht bei Haustieren, sprich: eine Fehlgeburt bei Kuh, Schaf oder Schwein. Diese wurde meist ausgelöst durch Infektionen, Seuchen oder Vergiftungen und war oft Ausgangspunkt für große Verluste unter dem Viehbestand. Ein Umstand, der für den Bauern existenzbedrohend sein konnte. Kein Wunder also, dass selbst die alten Römer, die die verworfenen Tage "dies atri" nannten, hier lieber keinen Finger rührten.